Kommentar: 17 Millionen und keinen Euro mehr? – wer‘s glaubt

2017: 8,2 Millionen; November 2018: 9,5 Millionen; Oktober 2019: 17 Millionen Euro. Mit dieser rasanten Kostensteigerungsrate kann die Sport- und Kulturhalle Seeheim schon fast mit der Hamburger Elbphilharmonie mithalten.

SPD und CDU scheint das nicht zu stören. Immerhin haben sie – damit das nicht so weitergeht – nun einen Deckel draufgesetzt und mit ihrer Mehrheit beschlossen, dass die Halle nur 17 Millionen und keinen Euro mehr kosten darf. Toll!

Und was passiert, wenn der Bau begonnen ist und das Geld am Ende doch nicht reicht?

„Kann nicht passieren“, war die Antwort von CDU und SPD in der letzten Gemeindevertretersitzung. „Alle Risiken sind eingepreist!“

Wirklich? Bisher beruht die Kostenkalkulation lediglich auf der Kubatur des umbauten Raums, nicht auf Detailplanungen – und da liegt ja gerade beim öffentlichen Bauen bekanntlich der Hase im Pfeffer, zumal ein Runder Tisch den Hallenbau begleiten soll. Und dem werden sicherlich noch eine Reihe wünschenswerter Ergänzungen einfallen.

Daher noch einmal die Frage: Was passiert, wenn der Bau begonnen ist und das Geld am Ende doch nicht reicht? Man muss kein Hellseher sein: Die beiden Parteien werden einfach einen neuen Antrag einbringen und die Mehrausgaben genehmigen – die Bürger zahlen es ja. Und moralisch begründen lässt sich das ja auch gut: andernfalls wären 17 Millionen nutzlos in den Sand gesetzt.

Nur zur Erinnerung: Die FDP hatte schon vor zwei Jahren als Alternative einen Verwaltungsneubau anstelle der alten Halle vorgeschlagen und eine funktionale, deutlich billigere Sporthalle an anderer Stelle. Das wäre einfacher und billiger gekommen. Doch Vernunft hat auch in der Kommunalpolitik nicht immer einen leichten Stand.

Thomas Postina